Transition Prison

Unweit von Dresden, im malerischen Waldheim, steht ein altes Kloster. August der Starke, hat es vor genau 300 Jahren in ein Zuchthaus umbauen lassen.
Heute ist es das älteste noch in Betrieb befindliche Gefängnis Deutschlands.

Aus diesem Anlass hat das Sächsische Justizministerium das Gedenkjahr "Wandel hinter Gittern: 300 Jahre Gefängnis Waldheim. 300 Jahre sächsische Vollzugsgeschichte" ausgerufen.

Teil des Gedankjahres war ein Fachsymposium im Seminar- und Tagungszentrum Waldheim. Dort unterhielten Anfang dieser Woche Gefängnis-Expert*innen über "Anforderungen, Realitäten und Perspektiven von Justizvollzug im 21. Jahrhundert". Ich bin gespannt, ob es darüber publiziert werden wird.

An Rande dessen wurde am Montag in Waldheim auch ein Theaterstück von Gefangenen aufgeführt. Darin bearbeiten sie ihre Herausforderungen, die Zeit durchzustehen, ihre Erinnerungen zu bewältigen und einen neuen Weg zu finden.
Kritik an der staatlichen Handlungsweise, Menschen einzusperren, um damit Gesetzesbrüche zu sühnen, wurde darin nicht deutlich. Dafür tiefgehende Selbstreflexion, Apelle an Freundschaft und gegenseitige Hilfe und eine große Portion Hoffnung.
Hinterher gab es - im Rahmen des Symposiums - ein opulentes Buffet für die hochrangigen Gäste (und uns, die wir durch persönliche Verbindungen zum Theater reingekommen waren) - mit einem hölzernen JVA-Schriftzug, in den Gemüse-Käse-Spieße gesteckt waren.
Ich fragte hinterher einen der Darsteller, was das Erarbeiten dieses Stücks zusammen mit der Gruppe ihm für die Zeit danach bringen würde.
Er berichtete mit übersprudelnder Begeisterung davon, wie sehr die Initiator*innen und künstlerischen Helfer*innen von Außen sich ins Zeug gelegt hatten, um gegenüber dem Justizsystem hilfreiche Bedingungen für die Gefangenen durchzusetzen. Die dauern zwar nur für die Zeit Arbeit am Stück an, er habe dadurch aber eine große Dankbarkeit entwickelt, aus der persönliche Disziplin erwachse, die er in die Zukunft mitnehmen würde.

Menschen, die in Konflikt mit gesellschaftlichen Normen gekomen sind, Vertrauen zu schenken, sie zu unterstützen konstruktive Handlungsweise zur Gestaltung ihres Lebens zu entwickeln, kann also Respekt, Dankbarkeit und Disziplin erzeugen.
Als ich vor drei Jahren zu den sozialen und psychischen Auswirkungen der Haft und den Möglichkeiten, diese mit sozialer Arbeit aufzufangen, recherchiert habe, wurde mit klar, dass spätestens in den 1980ern sehr viele ganzheitliche Ansätze zum konstruktiven Umgang mit Straffälligen aufgekommen sind, die zum Ziel hatten, ihnen und der Gesellschaft weiter zu helfen, statt nur zu bestrafen. Dreißig Jahre später ist kaum etwas davon in der Realität des Strafvollzugs angekommen. Immer noch werden Gefangene meistens eher psychisch zerschlissen, als gestärkt und sozial isoliert statt integriert. Das Strafsystem erzeugt auch heute noch mehr Aggression, lebensweltliche Inkompetenz und Rückfälle, als es Verständnis, Versöhnung oder friedliche Lebensweisen fördert.

Nun gibt uns das Sächsische Justizministerium die Möglichkeit, uns den Gefängnisalltag (oder ein geschöntes Bild davon) mal selber anzuschauen:
Diesen Samstag ist "Tag der offenen Tür" (so absurd es klingt) - zumal, als ich vor 3 Jahren in der JVA Dresden war, sogar die Besuchertoiletten abgeschlossen waren) in sächsischen Gefängnissen. Von 10-16 Uhr (letzter Einlass) kann man auch die JVA Dresden im Hammerweg besichtigen.

Am 15.&16.4. ist das Theaterstück nochmal in der JVA Zeithain zu sehen.


Vielleicht möchtet ihr die Gelegenheit nutzen, euch mal ein Bild davon zu machen, wie unsere Gesellschaft auch huete noch mit Abweichler*innen umgeht.
Und vielleicht kommen wir in nächste Zeit auch mal dazu, mal darüber nachzudenken, welche bezeichnenden psychischen Muster unserer Gesellschaft das widerspiegelt, wie die mit den Blockaden des Wandels zusammen hängen und wie wir das wertschätzender und nachhaltiger gestalten können.

 

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